
Kein 10-Schritte-Ritual mit Gesichtsmaske, Journaling und drei verschiedenen Tees. Nur die Frage: Was bringt vorm Schlafen wirklich was, und was ist nur hübsch verpackter Druck, noch produktiv zu sein, bevor du produktiv nichts mehr tust?
Kurze Bewegung am Abend: Erste gute Hinweise
Eine Studie der University of Otago (Neuseeland), 2024 veröffentlicht in BMJ Open Sport & Exercise Medicine, ließ Testpersonen über vier Stunden vor dem Schlafengehen alle 30 Minuten jeweils 3 Minuten leicht bewegen – Kniebeugen am Stuhl, Wadenheben, Knieheben im Stehen. Ergebnis: im Schnitt rund 30 Minuten längerer Schlaf, ohne dass die Schlafqualität litt. Die ehrliche Einordnung: Nur 28 überwiegend junge Frauen wurden untersucht, das ist eine kleine Stichprobe. Wir verkaufen dir das also nicht als wissenschaftlich erwiesenes Gesetz, sondern als das, was es ist – ein erster guter Hinweis, dass ein bisschen sanfte Bewegung am Abend offenbar nicht schadet und vielleicht sogar hilft.
Praktisch heißt das: ein paar Dehnübungen auf der Bettkante, Schultern kreisen, Nacken lockern. Keine Trainingseinheit, kein Timer, kein Tracking. Wenn’s sich nach Programm anfühlt, hast du den Punkt verfehlt.
Der Blaulicht-Mythos ist überschätzt
Jahrelang hieß es: Handy weg, sonst zerstört das Blaulicht deinen Schlaf. Neuere Auswertungen relativieren das deutlich. Mehrere aktuelle Zusammenfassungen (u. a. ORF und Beobachter.ch) zeigen: Der tatsächliche Effekt von Bildschirmlicht auf Melatonin und Einschlafen ist in Metaanalysen oft nur eine Verzögerung von wenigen Minuten – auch der Nachtmodus bringt laut ORF kaum einen echten Vorteil.
Was wichtiger ist als das Licht selbst: was du auf dem Bildschirm tust. Arbeits-Mails checken, Streitgespräche in der Familien-Gruppe, endloses Doomscrolling – das hält dein Gehirn aktiv, unabhängig von der Lichtfarbe. Und: Tageslicht am Morgen stabilisiert deine innere Uhr nachweislich stärker als jede Blaulicht-Vermeidung am Abend.
Was also wirklich zählt
- Ein paar Minuten sanfte Bewegung – Dehnen, Schultern lockern, kein Workout.
- Ruhige Inhalte statt Blaulichtfilter: Worum es geht ist wichtiger als wie hell der Screen leuchtet.
- Feste, einfache Routine: Immer ungefähr dieselbe Reihenfolge, das signalisiert dem Körper Feierabend zuverlässiger als jedes Gadget.
- Tageslicht am Morgen nicht vergessen – wirkt stärker auf deinen Schlaf-Wach-Rhythmus als alles, was du abends tust.
Du brauchst kein Ritual mit zehn Schritten. Du brauchst ein Ritual, das du tatsächlich durchhältst.
Die Chinchiller-Version
Unser Maskottchen braucht für seine Abendroutine genau null Minuten Vorbereitung: Es setzt sich hin, putzt sich kurz, schläft ein. Mehr Komplexität brauchst du auch nicht. Streck dich kurz, mach das Licht warm und gedämpft, leg das Handy so hin, dass du es nicht aus Reflex greifst – und dann ist Feierabend. Kein Punktesystem, keine Streak, die du nicht brechen darfst. Einfach Schluss für heute.


